Upcycling – Tetrapack-Radierungen auf wiederverwerteten Sonntagsblättchen

Auf dem Druckgrafikfestival in Delmenhorst kam ich in Kontakt mit Tetrapack-Radierungen – einer spannenden Technik: Leere Getränkekartons werden aufgeschnitten und gereinigt. Die Innenseite (Kunststoff auf Alu auf Karton) kann leicht mit einer Radiernadel „bekratzt“ werden. Trägt man nun Tiefdruckfarbe auf und wischt den Überschuss wieder ab, bleibt in den eingekratzten Vertiefungen die Farbe hängen. Jetzt kann man befeuchtetes Papier auflegen, alles zusammen durch eine Druckerpresse jagen und die Farbe wird auf das Papier übertragen. Abhängig davon, welche Farbe man nimmt, wie gut man den Überschuss abwischt, wie nass/saugfähig das Papier ist und wie hoch der Drucke der Presse ist entstehen in einer Druckserie lauter Unikate, die sich meist deutlich voneinander unterscheiden.

Allerdings sind enge Grenzen gesetzt, mit etwas Glück kann man 15, vielleicht 20 Abzüge aus einem Stück Tetrapack herausholen, dann ist kaum noch etwas vom Motiv erkennbar. Bei Getränkekartons von Frischmilch (die haben keine Alu-Einlage) ist die Ausbeute noch geringer.

Um quasi „im System“ zu bleiben habe ich mich entschieden, auch das Papier für die Drucke dieser Art selbst herzustellen. Ausgangsmaterials sind die wöchentlich den Briefkasten blockierenden Sonntagsblättchen mit ihrer Umfangreichen Werbeeinlage. In kleine Fetzen reißen, mit heißem Wasser übergießen, durchmixen und die entstandene Pulpe in Wasser verdünnen. Dann kann man mit dem Schöpfrahmen einzelne Seiten abschöpfen, auf Küchentüchern „stapeln“, unter Klemmzwingen das Überschusswasser austreiben und die so entstandenen Seiten zum Trocknen hängen. Fertig.

Ich habe mir auch noch eine Prägezange besorgt, um die Bilder unaufdringlich kennzeichnen zu können.

Und hier sind die Ergebnisse (Übersicht/Druckbereich/Papierdetail):

Bremen – Stadtmusikanten:

Frauenchiemsee:

Berlin

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